Alle Eltern von Schulkinder, aber ganz besonders Eltern von Kindern mit Behinderungen stehen jedes Jahr vor dieser Frage. 6 Wochen 24 Stunden Betreuung und Pflege? Geteilter Urlaub- Schwierigkeiten bei der Freizeitbeschäftigung- die Tage können lang werden, nicht nur wenn das Wetter schlecht ist.
Nun- es gibt ja in fast jeder Stadt oder Gemeinde ein Ferienprogramm- aber sind die Angebote auch für Kinder und Jugendliche mit Behinderung offen?
Im Rahmen des Projektes „Zukunft braucht Teilhabe“ vom Landesverband für Körper und Mehrfachbehinderte Menschen Sch.-H- e.V wurde das Ferienprogramm der Stadt Neumünster unter die Lupe genommen. Es kam vor allem vor allem darauf an, Kindern und Jugendlichen mit Behinderung den Zugang zu altersgemäßen Angeboten zu ermöglichen – Angebote, die von gleichaltrigen ohne Behinderung offen sind und genutzt werden. So wird zum Beispiel alle zwei Jahre wird in den Sommerferien in Neumünster eine „Stadt in der Stadt“ aufgebaut. In dieser Stadt bestimmen die Kinder, was passiert. Es gibt 30 Arbeitsbereiche, in denen sogenannte \"Münzter\" verdient werden können. Möglichkeiten, dass selbstverdiente Geld wieder auszugeben gibt es zum Beispiel bei verschiedenen Freizeitangeboten oder dem stadteigenen Supermarkt. In „Neumünstrum“ wird ausprobiert was es bedeutet, Polizistin, Bauarbeiter, Krankenpfleger, Bürgermeisterin, Friseur, Gärtnerin oder Künstler zu sein.
Insgesamt über 700 Kinder im Alter von 8- 16 Jahren verwalten und gestalten zwei Wochen lang eine komplette Stadt. Gedacht- getan, diese Fereinaktioen bot eine wunderbare Gelegenheit für Kinder mit Behinderung mitten drin zu sein und mitzumischen.
Einige Vorgespräche waren notwendig- die Idee stieß auf offene Türen. Der Elternverein Lichtblick Neumünster, der 2008 den Bürgerpreis und 2009 den Selbsthilfeförderpreis für das Konzept gewann, organisierte die notwendige zusätzliche Betreuung für Kinder mit Behinderungen und das Material für die Gestaltung der Galerie, in der eine Stadt aus Ytonsteinen gebaut werden sollte. Eine Woche lang von 10°° bis 17°° Uhr gestalteten Sie die Kinderstadt mit- mit großem Erfolg.
„Bist du die Behinderte?- „Nein, ich bin Julia und wie heißt du?“- „du bist ja krank“- …“ne krank bin ich nicht, ich kann nur nicht laufen“! „OK, dann bauen wir jetzt an alle Häuser eine Rampe!“ Ein Gespräch von vielen, am Rande einer wunderschönen, sehr erlebnisreichen Woche für alle Kinder in Neumünstrum.
So selbstverständlich und unvoreingenommen wie Kinder sind- es wurden Freundschaften geschlossen, Fragen gestellt, Lösungen gefunden, was das eine Kind nicht konnte wurde von anderen übernommen, helfende Kinderhände und viel Spaß. Es wurde zusammen gearbeitet und gegessen, gemalt und gebaut… jedes Kind nach seinen Möglichkeiten. Nach kurzer Zeit spielte es keine große Rolle mehr, ob ein Kind eine Behinderung hatte oder nicht- Kind ist Kind und jeder kleine Mensch fand schnell einen Platz, an dem er ein wichtiger Teil der Gruppe sein konnte.
Durch diese Aktion wurden Steine aus dem Weg geräumt und Barrieren in den Köpfen abgebaut.
Nicht überall ist es selbstverständlich zu sagen: „Wir probieren es aus- kommt einfach dazu und wenn es irgendwelche Probleme gibt- wir werden sie gemeinsam lösen.“ Dank der Organisatoren von der Stadt Neumünster gab es keine Bedenken. Nicht immer ist es einfach teilzunehmen, weil die benötigte Pflege nicht hygienisch durchgeführt werden kann- freundlich bot sich das „Stadt Domizil“ um die Ecke an, als Lösung mit überaus unkomplizierter „Aufnahme“.
Neumünstrum war eine sehr wichtige Erfahrung für alle, nicht nur für die Eltern der Kindern mit Behinderungen, denn es gehört schon etwas Angst dazu- Klappt es, wie reagieren die anderen und wie geht es den Kindern dabei?
Diese eine Woche an Erlebnissen macht Mut sich zu trauen auch Angebote wahrzunehmen. Angebote, die zunächst einmal nicht extra für Kinder mit Behinderung ausgeschrieben sind. Diese Woche hat gezeigt, dass es ist möglich, mittendrin zu sein!
Ob in Neumünstrum oder in der Nachbarstadt Neumünster. Dieses Beispiel sollte Schule machen!
Lichtblick e.V. Neumünster
Deutsche Bank
BLZ 212 700 24
Kto-Nr. 5 190 046
Ministerium für Soziales,
Gesundheit, Familie, Jugend und
Senioren des Landes Schleswig-Holstein"